Jürgen Morgenstern-Feise

Tanz geht dann mal raus...
Parkhaus Blues

Parkhäuser sind Orte an denen wir uns normalerweise nicht lange aufhalten. Unser Auto wird geparkt und darf geduldig auf uns warten, eine halbe Stunde, halbe Tage, ganze Nächte…ein Ort des Übergangs, menschenleer, funktional, und videoüberwacht.
Ein idealer Ort, um inne zu halten und das Unausgesprochene zu spüren, das nicht Gedachte zu tun, das fast Vergessene zu tanzen, das Flüchtige sichtbar zu machen.

Konzeption, Tanz, Choreographie: Christoph Schütz und Heike Wrede
Musik: Jürgen Morgenstern-Feise
Assistenz: Marielle Gerke
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Ein akustisch-optisches Gesamtkunstwerk
19. September 2016
geschrieben von 
Jens Wortmann
Eine begeisternde Tanz-Performance "Parkhaus-Blues" zur Tanz-Kultur-Woche
Können Autos tanzen? Oder gar betanzt werden? Seit der 7. Göttinger Tanz-Kultur-Woche und der Veranstaltung im Parkhaus am Groner Tor kann das mit einem klaren „Ja – und wie!“ beantwortet werden.
Tänzer und Choreograph Christoph Schütz wollte ein solches Projekt immer schon einmal machen und konnte es nun endlich gemeinsam mit der Tänzerin Heike Wrede und dem Musiker Jürgen Morgenstern-Feise in die Tat umsetzen.
Über 50 Besucher pilgerten deshalb am Sonntagnachmittag in das eher triste und nüchterne Parkhaus, ganz nach oben zum Parkdeck 8. Eine leere Parkfläche, die allerdings gut ausgeleuchtet, wartete auf die Performance. Und die kam in Form eines betagten Peugeot, mit dem Christoph Schütz und Heike Wrede auftraten. Wenig später rückte noch Jürgen Morgenstern-Freise mit seinem Kontrabass an. Zu dritt nahm die Performance Fahrt auf. Und das im wahrsten Sinne des Wortes: plötzlich kam ein kleines ferngesteuertes Modellauto dazu, dass es mit dem „großen“ Peugeot aufnahm. Schnell eroberte das Modellauto die Herzen der Zuschauer – denn es tanzte regelrecht. Das war schon großes Kino. Zwar kann ein Modellauto keine Spitze tanzen, später aber trieben es die drei Künstler auf dieselbe. Denn jetzt kam der Peugeot ins Spiel: es entstand ein akustisch-optisches Gesamtkunstwerk. Türen wurden auf- und zugeschlagen, Geräusche auf den Scheiben produziert, das Auto wurde komplett in Beschlag genommen. Getrommelt und betanzt. Ja, betanzt. Auf dem Auto, gegen das Auto, über das Auto hinweg.
Und mittendrin war Jürgen Morgenstern-Feise der Ruhepol: mit dem Bass, der Ukulele oder der Mundharmonika. Und natürlich mit dem Blech vom Auto. Und mit seiner Stimme. Dieser Auftritt wäre auch ohne den Tanz seinen Eintritt wert gewesen!
Mit der Choreographie und dem Tanz von Christoph Schütz und Heike Wrede zusammen (und natürlich dem Modellauto) wurde es aber ein echter „Parkhaus Blues“. Ein Nachmittag für Augen und Ohren – und das an einem Ort, in dem man sich normalerweise nicht länger aufhält als unbedingt nötig. Der Dank geht auch an die Stadtwerke Göttingen, die eine solche Performance erst ermöglicht hatten.
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