1991 habe ich meine Ausbildung zum Diplom-Musiktherapeuten an der Musikhochschule Hamburg abgeschlossen und biete seit dem musiktherapeutische Begleitung/Förderung besonders im Rahmen der Schule an.
Musiktherapeutische Förderung an der IGS Linden
"Musiktherapie ist Begegnung in einem besonderen Raum." (E. Weymann)
Dieser "besondere Raum" ist durchaus ganz wörtlich zu nehmen: Allein durch seine Gestaltung lädt er zum Verweilen ein, hebt sich durch Teppichboden, Gardinen, Instrumente....von den meisten anderen schulischen Räumen durch seine privatere, intimere Atmosphäre ab, gibt dem Eintretenden zu verstehen: "Hier stehst Du auf keinem Präsentierteller, hier darfst Du alle Deine Seiten zeigen, die starken, aber auch die schwachen." Die aufgestellten Instrumente fordern zum Spielen auf, einige vermitteln schon durch ihre Bauweise den Wunsch: "Bitte berühre mich zart und sanft." Andere wiederum fordern zum Gegenteil auf: "Ich hab' ein dickes Fell und kann einiges ertragen."
In dreifacher Hinsicht findet eine Begegnung in diesem besonderen Raum statt: Das Kennenlernen der Instrumente: "Dein Klang spricht mich an"; " Du machst mir Angst, Dich meide ich,.";"Du reizt mich, aggressiv mit Dir umzugehen, ohne dafür bestraft zu werden.",...
Während dieser Begegnung mit den Instrumenten findet gleichzeitig auch die mit sich selbst, den eigenen z.T. bisher unbekannten Seiten statt. Der besondere Raum - im wörtlichen wie im übertragenen Sinn - bietet hierfür Platz, Spiel-Raum, z.B. durch seine Abgeschlossenheit und Bewertungsfreiheit: Hier kann der aggressive, hyperaktive Schüler für sich die sehnsuchtsvollen Töne der Melodika entdecken, die in ihm eine Saite zum Schwingen bringt, die in der Öffentlichkeit bisher übertönt werden mußte; aber auch seine Aggressionen darf er hier bis zu einer gewissen Grenze ausleben, ohne dafür ermahnt werden zu müssen - Oder: Der ansonsten sehr in sich gekehrte Schüler entdeckt den Raum zum Tanzen.
Die dritte sehr wichtige Begegnung ist die mit dem Musiktherapeuten. Er bietet sich als Begleiter an, nicht nur im musikalischen Sinn. Alle S(a)eiten finden sein Gehör, die lauten wie die leisen, die zaghaften wie die aggressiven, die traurigen wie die fröhlichen. Im gemeinsamen Musizieren, das in der Regel improvisierend, oft ganz ohne Absprachen verläuft, entsteht ein gemeinsames Drittes, in dem sich Gefühle aller Art wiederspiegeln können. Dieses gemeinsame "Werk" kann anschließend besprochen werden: Welche Phantasien und Bilder hatten wir beim Spielen, was hat mir gefallen, was nicht, warum habe ich so gespielt und nicht anders, möchte ich beim nächsten Mal anders spielen,... Die auf Tonband aufgenommenen Improvisationen können auch gemeinsam angehört werden und wirken so oft als "Hör-Spiegel": "Was, das habe ich gespielt, so laut,...?"
Mit der musiktherapeutischen Förderung an unserer Schule spreche ich besonders Schüler/innen an, denen es schwer fällt, sich verbal mit ihren Problemen und Schwierigkeiten auseinanderzusetzen. Oft bildet gerade bei ihnen der Weg über die Musik eine Möglichkeit zum Aufbau einer intensiven Beziehung. Hierfür arbeite ich in der Regel mit einzelnen Schüler/innen, um eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zu ermöglichen, in der auch die ganz persönlichen Plobleme und Sorgen der Kinder Platz haben. Bei besonders gehemmten und kontaktscheuen Schüler/innen besteht auch die Möglichkeit einer Kleingruppenarbeit, in der die Kinder im gemeinsamen Musizieren ihre eigenen Grenzen erkennen und zu überschreiten versuchen.
Z.Zt. arbeite ich mit nur wenigen Wochenstunden in diesem Bereich. Deshalb führe ich eine Warteliste all der Kinder, mit denen eine Zusammenarbeit sinnvoll erscheint. Dafür nehme ich i.d.R. kurz nach Meldung (z.B. durch die Stammlehrer/ innen/Beratungslehrerinnen,...) Kontakt zu den Schüler/innen auf und spreche mit ihnen und den Stammlehrer/innen (i.d.R. auch mit den Eltern) eine mögliche Zusammenarbeit ab.
Ich arbeite grundsätzlich nur mit Schüler/innen, die ich nicht unterrichte, um für alle Beteiligten eine Rollenkonfusion auszuschließen.